„Hast Du die Geduld, zu warten, bis Dein Schlamm sich setzt und das Wasser klar wird?“
– Lao Tse
Wenn die Erwartung den Raum betritt
Es klingelt an der Tür. Schritte im Flur, Stimmen, Bewegung. Und noch bevor der Besuch den Raum ganz betreten hat, bricht sie los: Die geballte Lebendigkeit meiner beiden Hunde.
Mei-Lani, erst acht Monate alt, bellt laut und unverstellt – ihr junges Nervensystem lernt gerade erst, sich in solchen Momenten zu sortieren. Khaleesi stimmt mit ein, und plötzlich ist der Raum erfüllt von einem kleinen Konzert aus Erwartung und Überschwang. Wir arbeiten daran. Still, kontinuierlich und ohne Eile, denn Entwicklung braucht Zeit.
Doch dann mischten sich andere Töne in das Gebell: Worte von außen.
„Ich verstehe das nicht, das müsste doch langsam mal besser werden“, hieß es da. Oder: „Ihr müsst da mal was machen, so kann das nicht weitergehen. Bei anderen klappt das doch auch.“
Gut gemeinte Ratschläge, Bewertungen, Unverständnis. In diesem Moment passierte etwas mit mir: Der feine, innere Druck stieg auf. Ohne es zu wollen, begann ich mich zu erklären. Ich rechtfertigte meine Haltung, unseren Weg und meine Entscheidungen. Nicht aus einer inneren Klarheit heraus, sondern weil ICH mich beurteilt fühlte.
Erst später, als wieder Stille eingekehrt war, spürte ich es deutlich: Ich hatte mich selbst verlassen.
Der Raum zwischen Reiz und Reaktion
Dieser Moment zwischen dem äußeren Reiz (zum Beispiel den Kommentaren des Besuchs) und meiner Reaktion ist leise, fast unsichtbar – und doch entscheidend.
Der Weg des Kahu ʻĪlio zeigt sich genau hier: Wenn es eng wird und wir uns unter Druck gesetzt fühlen.
Passend dazu habe ich heute die Kahu-Qualität für diesen Monat geteilt:
„Ich bleibe als Kahu ‚Ilio bei mir, selbst wenn es herausfordernd wird. Ich wähle die ruhige, klare Stimme in mir, auch wenn es Reibung geben könnte, und ich nehme den Preis, den ich zahlen muss, ernst, wenn ich mich selbst übergehe.“
Diese Worte sind für mich kein theoretisches Konzept, sondern tägliche Praxis. Bei mir zu bleiben bedeutet nicht, perfekt „souverän“ zu wirken oder alles im Griff zu haben. Es bedeutet schlicht wahrzunehmen: „Jetzt bin ich gerade unter Druck. Jetzt möchte ich mich rechtfertigen.“.
Und genau dann: Innehalten. Atmen. Spüren. Mich innerlich wieder aufrichten – für mich, nicht gegen den anderen.
Dein Weg braucht keine Verteidigung
Die Erkenntnis, die sich langsam in mir setzt: Ich muss mich nicht rechtfertigen, um integer zu sein. Es ist meine Wohnung, meine Verantwortung und mein Weg mit meinen Hunden. Und dieser Weg braucht keine Verteidigung nach außen. Meine Hunde sind großartig. Innere Standfestigkeit wiegt schwerer als jedes Argument.
🌀 Reflexionsimpuls:
- Wann hast Du das letzte Mal eine Rechtfertigung ausgesprochen, noch bevor Dein Gegenüber überhaupt eine Frage gestellt hatte?
- Spüre einmal nach: War dieses Erklären eine Brücke zum anderen – oder ein Schutzschild, weil Du Dich in Deiner eigenen Wahrheit gerade nicht sicher gefühlt hast?
- Was würde sich verändern, wenn Du das nächste Mal einfach nur atmest, anstatt Dein Handeln zu verteidigen?
Ich schreibe das nicht, weil ich es bereits perfekt beherrsche. Ich schreibe es, weil ich unterwegs bin wie Du – als Hundetrainerin, als Begleiterin und vor allem als Mensch. Der Weg des Kahu ʻĪlio ist eine stetige Rückkehr auf die innere Trainingsmatte. An manchen Tagen gelingt uns das still und klar, an anderen verlieren wir uns schnell. Beides darf sein.
Präsenz ist eine Entscheidung, die wir immer wieder neu treffen – im Kleinen, im Alltäglichen, wenn es klingelt oder wenn es in uns laut wird. Es geht darum, erst einmal bei sich selbst anzukommen.
Eine Einladung ins Dojo der Verbundenheit
Du bist mit diesen Herausforderungen nicht allein. Genau deshalb gibt es das Dojo der Verbundenheit. Es ist ein Raum, in dem wir uns gemeinsam orientieren – nicht um perfekt zu werden, sondern um präsent zu bleiben.
Im Dojo üben wir:
- Bei uns zu bleiben, wenn es herausfordernd wird.
- Uns zu zentrieren, wenn es im Außen laut ist.
- Uns immer wieder an das Wesentliche zu erinnern.
Der Weg des Kahu ʻĪlio ist ein lebendiger Übungsweg, den wir gemeinsam gehen dürfen. Du musst nichts beweisen. Du darfst einfach da sein und Dich erinnern.
👉 Hier geht’s zum Dojo der Verbundenheit
Deine Marina





